Kabel, Leitungen und Schläuche fixieren, umwickeln und abdichten

Anwendungsfeld: Verarbeitung

Bild: Sorgfältige manuelle Bündelung und sichere Fixierung eines komplexen Kabelstrangs in der Fertigung.

Anwendungsbeschreibung zur Kabel- und Schlauchfixierung

Kabel und Schläuche kleben, wickeln und dichten – Wozu?

Ob im Schaltschrank, an konfektionierten Kabeln, im Fahrzeuginnenraum oder an beheizten Schläuchen: Kabel und Leitungen müssen häufig nicht nur geführt, sondern auch sicher fixiert, gegen Bewegung geschützt und dauerhaft abgedichtet werden. Klebtechnik übernimmt dabei mehrere Aufgaben zugleich: Sie fixiert mit Klebepads und Montagebändern, umwickelt mit Isolier-, Gewebe- oder Korrosionsschutzbändern, sorgt mit zähelastischen Epoxiden für Zugentlastung und dichtet mit Silikonen oder dehnfähigen Dichtbändern zuverlässig ab. Das Bündeln von Leitungssätzen behandeln wir ausführlich auf unserer Seite Bündelung.

Die Auswahl des passenden Systems hängt stark vom Untergrund und der Belastung ab. Kabelmäntel aus Silikon, EPDM, Polyethylen oder TPE gelten als schwer benetzbar, verchromte Rohre sind sehr glatt, Beton ist saugend und alkalisch. Hinzu kommen Einflüsse wie Salzlösung, Reinigungsmittel, Temperaturwechsel oder Bewitterung. Deshalb betrachten wir nicht nur die Anfangshaftung, sondern vor allem das Verhalten in der realen Anwendung: Ein zähelastisches 2K-Epoxid nimmt Zug und Biegung am Kabelende auf, ein 1K-Silikon bleibt am Heizleiter dauerelastisch und ein dehnfähiges Dichtband folgt Bewegungen an Lötstellen.

An Kabeln und Schläuchen zählt nicht nur die Haftung, sondern vor allem das Verhalten unter Bewegung: zähelastisch am Kabelende, dehnfähig an der Lötstelle, dauerelastisch am Heizleiter.

tewipack bietet Ihnen für Kabel- und Schlauchanwendungen Isolier-, Gewebe- und Dichtbänder, zähelastische Epoxidharzklebstoffe für Zugentlastungen, Silikone von DOWSIL™ sowie Kontaktklebstoffe und gestanzte Klebepads – abgestimmt auf Kabelmantel, Medium und Fertigungsprozess.

Vorteile von Klebelösungen an Kabeln, Leitungen und Schläuchen

Gegenüber Schrauben, Kabelbindern, Schrumpfschlauch oder rein mechanischen Lösungen bieten Klebstoffe und Klebebänder in vielen Anwendungen klare Vorteile:

  • keine Bohrungen: Kabelkanäle und Hutschienen lassen sich kleben, die Schutzart des Schaltschranks bleibt erhalten
  • zähelastische Epoxide nehmen Zug- und Biegebelastungen am Kabelübergang auf
  • Silikone haften auf Silikonmänteln chemisch an und bleiben auch bei Temperaturbelastung elastisch
  • dehnfähige Dichtbänder gleichen Bewegungen an Lötstellen oder Leitungsdurchführungen aus
  • Wickelbänder isolieren, schützen vor Abrieb und Korrosion und ermöglichen farbliche Kennzeichnung
  • gestanzte Klebepads fixieren Leitungen schnell und prozesssicher – manuell oder per Applikator
  • flammgeschützte Systeme stehen für brandschutzrelevante Steckverbinder zur Verfügung
  • kleine Gebinde für die Einzelfertigung und Serienlösungen für wiederkehrende Anwendungen sind möglich

Anforderungen an das Fixieren, Umwickeln und Abdichten von Kabeln und Schläuchen

In unseren Projekten für Kabelkonfektion, Schaltschrankbau, Kühlgeräte, beheizte Schläuche und den Fahrzeuginnenraum entscheiden vor allem diese sechs Punkte über die passende Lösung:

Zugentlastung statt Sprödbruch

Am Übergang vom Kabel zum Stecker wirken Zug- und Biegebelastungen. Spröde Systeme können dort reißen, zähelastische 2K-Epoxide verteilen die Last besser und reduzieren Spannungsspitzen am Austritt.

Dehnfähigkeit an bewegten Stellen

Lötstellen an Kupferleitungen oder bewegte Übergänge benötigen ein Dichtmaterial, das Bewegungen mitmacht. Entscheidend ist hier oft nicht die höchste Klebkraft, sondern eine ausreichende Dehnfähigkeit.

Schwer benetzbare Mäntel

Silikon, EPDM, Polyethylen und TPE stellen hohe Anforderungen an die Haftung. Je nach Material kommen Silikonsysteme, Haftvermittler oder speziell angepasste Klebstoffe zum Einsatz.

Medien und Bewitterung

Salzlösung, Reinigungsmittel, Feuchtigkeit oder Außenbewitterung beeinflussen die Langzeitbeständigkeit erheblich. Deshalb prüfen wir bei Bedarf die Eignung unter realen Bedingungen.

Flammschutz und Farbe

Bei Steckverbindern oder sichtbaren Klebstellen können brandschutzrelevante Eigenschaften und die optische Wirkung des Materials entscheidend sein.

Applikation und Gebinde

Nicht nur die Klebung zählt, sondern auch die Verarbeitung: Klebepads müssen sich sicher spenden lassen, Kartuschen zum Prozess passen und Gebindegrößen zur Fertigung.

Wie werden Kabel und Schläuche geklebt, umwickelt und abgedichtet?

Vor der Verarbeitung werden Kabelmantel und Gegenstück gereinigt, beispielsweise mit Isopropanol. Bei schwer benetzbaren Oberflächen wie Silikon, EPDM oder PE kann je nach System ein Haftvermittler oder ein dafür geeignetes Silikon erforderlich sein. Für Zugentlastungen wird ein zähelastisches 2K-Epoxid wie 3M™ Scotch-Weld™ DP490 aus der Doppelkartusche mit Mischdüse als Kegel um den Kabelaustritt aufgetragen und bei Raumtemperatur ausgehärtet. Wärme kann die Aushärtung beschleunigen.

Zum Abdichten wird ein 1K-Silikon wie DOWSIL™ 7094 als Raupe aufgebracht; die Vernetzung erfolgt mit Luftfeuchtigkeit von außen nach innen. Dehnfähige Dichtbänder werden mit Überlappung gewickelt und fest angedrückt, damit sie Bewegungen folgen und dauerhaft abdichten. Wickelbänder wie Vinyl-Isolierband werden leicht gedehnt und halb überlappend verarbeitet, die letzte Windung ohne Zug. Klebepads lassen sich je nach Anwendung von Hand oder automatisiert vom Liner lösen und aufbringen. Vor Serienfreigaben prüfen wir Haftung, Verhalten unter Zug und Bewegung sowie Beständigkeit gegenüber Medien und Umwelteinflüssen.

Aus der Praxis: Kabel- und Schlauchfixierung in tewipack-Projekten

Aus unserer Projekthistorie stammen diese typischen Beispiele für das Fixieren, Umwickeln und Abdichten von Kabeln und Schläuchen. Kunden- und Produktnamen Dritter nennen wir nicht.

Kabelkonfektion

Zugentlastung an konfektionierten Kabelteilen

Konfektionierte Kabelteile werden am Übergang zum Stecker mit einem zweikomponentigen Epoxid vergossen oder verklebt, das als Zugentlastung dient. Gefordert war ein zähelastisches System, das Zug- und Biegebelastungen aufnimmt, ohne spröde zu versagen.

Lösung: 3M™ Scotch-Weld™ DP490 als zähelastisches 2K-Epoxid.

Gebinde: 50-ml-Doppelkartusche

Einsatz: Zugentlastung am Kabelübergang

Beheizte Schläuche

Heizleiter am Schlauch mit Silikon fixieren

Bei beheizten Schläuchen werden Kabel und Heizleiter mit einem temperaturbeständigen Silikonkleb- und Dichtstoff am Schlauch fixiert. Wichtig sind dabei Dauerelastizität, Temperaturbeständigkeit und gute Haftung auf Silikonmänteln.

Lösung: DOWSIL™ 7094 als 1K-Silikon aus der Kartusche.

Anforderung: Temperaturbeständigkeit am Heizleiter

Vorteil: Dauerelastische Fixierung

Mobilfunk-Infrastruktur

Neoprenmatten auf Kabelformsteinen aus Beton

Auf Kabelformsteinen im Außenbereich werden elastische Neoprenmatten verklebt. Der Untergrund Beton ist saugend und alkalisch, gleichzeitig ist Zellkautschuk schwer benetzbar. Für diese Kombination kommen Kontaktklebstoffe in Frage, die auf beide Materialien abgestimmt sind.

Untergrund: Beton im Außenbereich

Material: Neoprenmatten

Fahrzeuginnenraum

Klebepads für Kabel müssen sich spenden lassen

Kabel im Fahrzeuginnenraum werden mit gestanzten Klebepads fixiert. Dabei entscheidet nicht nur die Klebkraft, sondern auch die Spendbarkeit im Applikator. Trägerfestigkeit und Release-Wert des Liners müssen auf den Prozess abgestimmt sein.

Anwendung: Klebepad zur Kabelfixierung

Spendbarkeit ist Auswahlkriterium

Kühlgeräte

Undichte Lötstellen an Kupferleitungen abdichten

Bewegte Lötstellen an Kupferleitungen benötigen kein starres, sondern ein dehnfähiges Dichtmaterial. Selbstklebende Dichtbänder können Bewegungen folgen und die Stelle dauerhaft abdichten.

Anforderung: Bewegungsausgleich

Kriterium: Dehnfähigkeit vor maximaler Klebkraft

Schaltschrankbau

Kabelkanäle und Hutschienen kleben statt schrauben

Im Schaltschrank lassen sich Kabelkanäle und Hutschienen je nach Lastfall auch kleben statt verschrauben. Der Vorteil: Bohrungen entfallen, die Schutzart bleibt erhalten und der Montageaufwand sinkt.

Anwendung: Klebung auf verzinktem Stahl

Vorteil: keine Bohrungen, Schutzart bleibt

Produktempfehlungen zur Kabel- und Schlauchfixierung

Hier eine Auswahl an Klebstoffen und Bändern für Kabel und Schläuche. In unserem Online-Shop finden Sie weitere Produkte in den Kategorien Einseitige Klebebänder und Epoxidharzklebstoffe kaufen.

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Ihr Ansprechpartner

Bei technischen Fragen zu Ihrer Anwendung oder unseren Produkten wenden Sie sich gerne an:

 

Philipp Dengel

Technischer Berater / Labor

Foto von Philipp Dengel ohne Hintergrund

Häufige Fragen

Zum Bündeln und Umwickeln von Leitungssätzen eignen sich Vinyl-Isolierbänder wie Scotch® 35 für die farbliche Kennzeichnung, Gewebebänder für Abriebschutz und je nach Anwendung weitere Wickelbänder für Schutz oder Dämpfung. Das Band wird leicht gedehnt und halb überlappend gewickelt, die letzte Windung ohne Zug. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite Bündelung.

Für die Zugentlastung eignet sich ein zähelastisches 2K-Epoxid, das als Kegel um den Kabelaustritt gelegt wird und die Kräfte besser verteilt. Wichtig ist nicht nur hohe Festigkeit, sondern vor allem Zähigkeit. 3M™ Scotch-Weld™ DP490 ist ein typisches Beispiel für diese Anwendung.

Silikonmäntel sind schwer benetzbar. Ein Silikon-Kleb- und Dichtstoff wie DOWSIL™ 7094 kann chemisch am Silikonmantel anhaften und bleibt zugleich dauerelastisch. Für die sichere Auswahl sollte immer die reale Materialkombination betrachtet werden.

Bewegte Lötstellen sollten nicht mit starren Beschichtungen abgedichtet werden. Geeignet sind dehnfähige, selbstklebende Dichtbänder wie 3M™ 4411B, die mit Überlappung verarbeitet werden und Bewegungen folgen können.

Ja, in vielen Fällen ist das möglich. Der Vorteil liegt im Wegfall von Bohrungen, wodurch die Schutzart erhalten bleibt und der Montageaufwand sinkt. Welche Lösung geeignet ist, hängt von Untergrund, Belastung und Geometrie ab.

Weil Haftung und Spendbarkeit zwei unterschiedliche Anforderungen sind. Wenn Trägerfestigkeit des Pads und Release-Wert des Liners nicht zusammenpassen, funktioniert der Spendevorgang nicht zuverlässig. Für automatisierte Anwendungen stimmen wir deshalb Material und Liner gezielt auf den Applikationsprozess ab.

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