
Bauteile sicher verbinden, reparieren und nachbearbeiten
Im 3D-Druck gehört das Kleben zu den wichtigsten Verfahren, wenn gedruckte Teile dauerhaft verbunden, repariert oder optisch sauber weiterverarbeitet werden sollen. Gerade bei großen Bauteilen, mehrteiligen Konstruktionen oder beschädigten Drucken ist die richtige Klebelösung oft der entscheidende Schritt für Stabilität, Funktion und Oberfläche.
Ob PLA, ABS, PETG oder technische Kunststoffe: Nicht jeder Werkstoff verhält sich gleich. Deshalb kommt es beim Kleben im 3D-Druck auf die passende Kombination aus Materialkenntnis, Oberflächenvorbereitung und geeignetem Klebstoff an. Genau hier zeigt sich der Vorteil moderner Klebetechnik: Verbindungen lassen sich belastbar, sauber und wirtschaftlich umsetzen, ohne Bauteile mechanisch zu beschädigen oder aufwendig zu verschrauben.
Vorteile vom Kleben im Maschinenbau
- unsichtbare oder nahezu unsichtbare Verbindungen
- keine zusätzlichen Bohrungen, Schrauben oder Nieten notwendig
- gleichmäßige Kraftverteilung über die Klebefläche
- auch für filigrane oder komplex geformte Bauteile geeignet
- Reparatur von gebrochenen oder gerissenen Druckteilen möglich
- Kombination mehrerer Drucksegmente zu größeren Bauteilen
- gute Lösung für Prototypen, Einzelteile und Kleinserien
Ihr Ansprechpartner
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Philipp Dengel
Technischer Berater / Labor

Anwendungen im Maschinenbau
Kleben wird im 3D-Druck in vielen Bereichen eingesetzt. Typische Anwendungen sind:
Verbinden mehrteilig gedruckter Bauteile
Wenn ein Bauteil aufgrund seiner Größe, Geometrie oder Druckstrategie in mehreren Einzelteilen gefertigt wurde, lassen sich diese nachträglich zuverlässig zusammenfügen. Die Klebetechnik ermöglicht dabei eine saubere Verbindung, ohne zusätzliche Verschraubungen oder sichtbare mechanische Befestigungen.
Reparieren gebrochener 3D-Druck-Teile
Bruchstellen an gedruckten Komponenten müssen nicht zwangsläufig zum Austausch des gesamten Teils führen. Mit der passenden Klebelösung können beschädigte Bereiche gezielt instand gesetzt werden, sodass Funktion, Stabilität und Optik möglichst weitgehend erhalten bleiben.
Montieren von Zusatzkomponenten wie Haltern, Clips oder Abdeckungen
Viele 3D-Druck-Anwendungen werden erst durch zusätzliche Elemente komplett. Halter, Clips oder Abdeckungen lassen sich nachträglich befestigen, um Bauteile funktional zu erweitern oder konstruktiv an den jeweiligen Einsatzzweck anzupassen.
Fügen unterschiedlicher Materialien innerhalb eines Bauteils
In vielen Anwendungen reicht ein einzelner Werkstoff nicht aus. Durch das Verbinden von 3D-gedruckten Teilen mit anderen Materialien können gezielt unterschiedliche Eigenschaften wie Stabilität, Flexibilität oder Dichtwirkung in einem Bauteil kombiniert werden.
Fixieren von Einsätzen, Magneten oder Funktionselementen
Eingesetzte Komponenten wie Magnete, Gewindeeinsätze oder andere Funktionselemente müssen sicher im Bauteil sitzen. Eine geeignete Klebelösung hilft dabei, diese Elemente dauerhaft zu fixieren und ihre Position auch bei Belastung zuverlässig zu sichern.
Nachträgliches Anbringen von Dicht- und Schutzelementen
Gedruckte Bauteile lassen sich durch Dicht- oder Schutzelemente gezielt aufwerten. So können etwa empfindliche Bereiche geschützt, Übergänge abgedichtet oder Oberflächen für den späteren Einsatz besser vorbereitet werden.
Beispiele aus der Praxis
In der Praxis gibt es viele typische Einsatzfälle für das Kleben im 3D-Druck:
- Ein großes Gehäuse wird in mehreren Segmenten gedruckt und danach passgenau zusammengefügt.
- Ein Prototyp aus PLA bricht an einer hoch belasteten Stelle und wird mit einem geeigneten Klebstoff instand gesetzt.
- Bei Funktionsbauteilen aus PETG werden Halterungen oder Verstärkungen zusätzlich angebracht.
- Modellbau- oder Maker-Projekte bestehen aus mehreren Einzelteilen, die nach dem Druck exakt ausgerichtet und verklebt werden.
- Technische Bauteile werden nach dem Druck um Komponenten wie Gewindeeinsätze, Magnete oder Dichtbereiche ergänzt.
Entscheidend ist dabei immer, welche Belastung die Klebung später aufnehmen muss: rein positionierend, strukturell tragend, schlagbeansprucht oder temperaturbelastet. Davon hängt die Auswahl des Klebstoffs unmittelbar ab.
Klebstoffe, die häufig im 3D-Druck verwendet werden
Sekundenklebstoffe
Sekundenklebstoffe eignen sich gut für kleine Bauteile, schnelle Reparaturen und passgenaue Verbindungen. Sie härten zügig aus und sind besonders beliebt bei PLA oder kleineren Modellbauteilen. Für schlag- oder vibrationsbelastete Anwendungen sollte jedoch genau geprüft werden, ob die Sprödigkeit zum Einsatzfall passt.
2K-Klebstoffe
2K-Klebstoffe sind eine gute Wahl, wenn höhere Festigkeiten, Spaltüberbrückung oder bessere Beständigkeiten gefordert sind. Sie eignen sich häufig für technische Anwendungen, komplexe Geometrien und Verbindungen mit erhöhten Anforderungen an Dauerhaltbarkeit.
Epoxidklebstoffe
Epoxidklebstoffe bieten hohe Festigkeit und gute Beständigkeit. Sie werden oft eingesetzt, wenn Bauteile stabil verbunden oder auch kleinere Unebenheiten ausgeglichen werden müssen. Gerade bei technischen 3D-Druck-Anwendungen sind sie eine häufige Lösung.
Acrylatklebstoffe
Acrylatklebstoffe kommen infrage, wenn Kunststoffe sicher gefügt werden sollen und eine belastbare Verbindung gefordert ist. Je nach System lassen sich damit auch anspruchsvollere Kunststoffverklebungen umsetzen.
UV-Klebstoffe
UV-Klebstoffe können sinnvoll sein, wenn transparente oder lichtdurchlässige Bereiche verarbeitet werden und eine schnelle Fixierung gewünscht ist. Voraussetzung ist, dass UV-Licht die Klebestelle ausreichend erreicht.
Praxistipp
Für belastbare Ergebnisse ist die Vorbereitung der Klebeflächen oft genauso wichtig wie der Klebstoff selbst. Auf folgendes kommt es an:
- Klebeflächen von Staub, Fett und Druckrückständen befreien
- glatte oder stark verdichtete Oberflächen bei Bedarf leicht anschleifen
- Passgenauigkeit vor dem Kleben prüfen
- Klebstoff sparsam und gleichmäßig auftragen
- Fügeteile während der Aushärtung fixieren
- Herstellerangaben zu Verarbeitungszeit und Endfestigkeit beachten
Bei 3D-gedruckten Teilen ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass die Schichtstruktur die Festigkeit beeinflusst. Die Klebung sollte deshalb möglichst so ausgelegt sein, dass ausreichend Klebefläche vorhanden ist und die Belastung nicht nur punktuell eingeleitet wird.
Besondere Eigenschaften für den 3D-Druck
Beim Kleben im 3D-Druck gelten einige Besonderheiten, die in der Praxis oft über die Qualität der Verbindung entscheiden:
- Nicht jedes Filament lässt sich gleich gut kleben. PLA, ABS, PETG, Nylon oder TPU verhalten sich unterschiedlich. Deshalb sollte der Klebstoff immer auf den jeweiligen Kunststoff abgestimmt sein.
- 3D-gedruckte Bauteile besitzen eine typische Layer-Struktur. Diese kann die Haftung unterstützen, aber auch Schwachstellen erzeugen. Wichtig ist, die Klebefläche passend vorzubereiten und die Belastungsrichtung zu berücksichtigen.
- Viele 3D-Druck-Teile werden in Umgebungen eingesetzt, in denen Wärme eine Rolle spielt. Der gewählte Klebstoff sollte deshalb zur späteren thermischen Belastung passen.
- Gedruckte Teile sind nicht immer hundertprozentig plan oder maßhaltig. Ein Klebstoff mit gutem Spaltfüllvermögen kann hier Vorteile bieten.
- Bei Sichtteilen ist relevant, ob die Klebestelle geschliffen, gespachtelt oder lackiert werden soll. Auch dieser Punkt sollte bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Produktempfehlungen für den 3D-Druck
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Häufige Fragen
Ja, PLA lässt sich in vielen Fällen gut kleben. Wichtig sind saubere Klebeflächen, eine gute Passung und ein auf PLA abgestimmter Klebstoff.
ABS stellt andere Anforderungen als PLA. Je nach Anwendung kommen dafür Sekundenklebstoffe, 2K-Systeme oder spezialisierte Kunststoffklebstoffe infrage. Entscheidend sind Festigkeit, Temperaturbereich und die Größe der Klebefläche.
Ja, PETG kann geklebt werden, verlangt aber eine saubere Vorbereitung der Oberfläche. Da PETG je nach Oberfläche schwieriger zu fügen sein kann, sollte die Materialverträglichkeit des Klebstoffs vorab geprüft werden.
Die Bauteile sollten gereinigt, bei Bedarf leicht angeschliffen und vor dem Fügen trocken angepasst werden. Danach wird der Klebstoff gleichmäßig aufgetragen und das Teil bis zur Aushärtung fixiert.
Das hängt vom verwendeten Material und der Belastung ab. Für kleine, passgenaue Teile werden oft Sekundenklebstoffe verwendet. Für höhere Festigkeiten oder technische Anwendungen sind häufig 2K- oder Epoxidklebstoffe besser geeignet.




