Glossar Klebetechnik

Die Klebetechnik von A bis Z. Im tewipack Glossar finden Sie gängige Begrifflichkeiten der Klebetechnik kurz erklärt. Wir werden dieses Klebelexikon ständig für Sie erweitern. Nutzen Sie es gerne als Nachschlagewerk der Klebetechnik.

 
Abbinden

Bezeichnet bei Klebstoff den Übergang vom flüssigen oder pastenförmigen, in den festen Zustand. Diese Verfestigung vollzieht sich entweder pysikalisch, z.B. durch Abkühlen, Lösungs- und Dispersionsmittelverdunstung, oder chemisch, z.B. durch Vernetzen und führt zur maximalen Klebfestigkeit. (Aushärtung des Klebstoffes durch Molekülvergrößerung und Vernetzung von Monomeren, Prepolymeren oder Oligomeren zu Polymeren.  Monomer -- Prepolymer-- Oligomer.)

Abbindezeit

Zeitspanne, innerhalb der die Klebung nach dem Vereinigen der Fügeteile eine für die bestimmungsgemäße Beanspruchung erforderliche Festigkeit erreicht = Aushärtezeit.

Ablüftzeit

Die Zeitspanne, die beim Einsatz von Reinigern, Aktivatoren oder Primern abgewartet werden muß, damit das Lösungsmittel vollständig verdunstet ist und der Klebstoff aufgetragen werden kann.

Additive

Substanzen, die in der Lage sind, Eigenschaften von Stoffen in gewünschter Weise zu beeinflussen, beispielsweise die Verarbeitbarkeit und Gebrauchseigenschaften von Kunststoffen oder Lacken, Druckfarben oder auch Klebstoffen.

Adhäsion

Bindekraft an der Grenzfläche zwischen Fügeteil und Klebstoff.

Adhäsionsbruch

Versagen einer Klebverbindung an der Grenzfläche zwischen Fügeteil und Klebstoff.

Aerosole

Flüssige oder feste Teilchen in so feiner Verteilung in Luft oder einem anderen Gas, dass sie schweben. Aerosol ist ein Sammelbegriff für mittels Treibmittel aus Druckgasdosen zerstäubte oder verschäumte Substanzen.

anisotropisch leitend

Nicht in alle Richtungen gleiche Eigenschaften eines Stoffes (Gegensatz zu Isotrop). Anisotrop leitfähige Klebstoffe oder Klebebänder leiten z.B.den elektrischen Strom nur in eine Richtung (Z-Achse=durch die Schicht von oben nach unten und umgekehrt).

Anpressdruck

Druck auf die Klebeverbindung bei Kontaktklebstoffen, damit die Verklebung zustande kommt.

Ausblühen

Form der Ausgasung, die speziell bei der Aushärtung von Cyanacrylaten auftritt. Es handelt sich um eine Ausscheidung leicht flüchtiger Klebstoffbestandteile, die durch meist weißlichen Niederschlag unmittelbar neben der Klebstelle erkennbar sind. Das Ausblühen kann bei diesen Klebstoffen deutlich verringert werden, wenn für eine schnelle, vollständige Aushärtereaktion der Klebstoffe gesorgt wird. z.B. durch die Verwendung von Aktivatoren wie Permabond CSA-Spray und ausreichende Luftfeuchtigkeit.

Ausgasen

Verflüchtigen von Rezepturbestandteilen eines Klebstoffes, die einen niedrigen Dampfdruck besitzen. Meist sind diese Stoffe geruchlich, eventuell auch visuell (Ausblühen) wahrnehmbar.

Aushärtezeit

Zeitspanne, die ein Reaktionsklebstoff benötigt um zu einer vollständig ausgehärteten Kunststoffschicht zu polymerisieren. Die Aushärtezeit beginnt bei Einkomponentenklebstoffen mit dem Auftragen des Klebstoffes auf die Klebefläche. Bei Zwei- oder Mehrkomponentenklebstoffen mit dem Mischen der Komponenten.

Belichtungszeit

Zeitspanne, in der photoinitiierte Klebstoffe belichtet werden müssen, um eine vollständige Vernetzungsreaktion noch während der Belichtung auszulösen, oder eine vollständige Aktivierung zu erreichen.

Benetzung

Vermögen einer Flüssigkeit, sich auf der Oberfläche fester Körper auszubreiten. Je kleiner die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit (z.B. Klebstoffes) und je größer die des Festkörpers (z.B. eines Fügeteiles), desto größer ist die Benetzungstendenz.

Ziel: Oberflächenspannung des Klebstoffes < Oberflächenspannung des Bauteilwerkstoffes.

Ist dies nicht der Fall, wird das Fügeteil nicht ausreichend durch den Klebstoff benetzt. Eine erfolgreiche Verklebung ist dadurch nicht möglich. Siehe auch Oberflächenspannung.

Bruchbild

Aussehen der Bruchfläche einer Klebung. Siehe auch Fügeteilbruch, Adhäsionsbruch, Kohäsionsbruch

Bruchdehnung

Materialkennwert, der angibt, um wieviel Prozent sich ein Material dehnen läßt, bevor es zum Bruch kommt (Reißdehnung). Sprachlicher Gebrauch in Zusammenhang mit Elastomeren.

Charge

Die Beschickung für eine Ansatzgröße in der Produktion. Dokumentation der Produktionsparameter (z.B. Produktions-Datum, Ort, Anlage..) durch die Chargen-Nummer.

Druckscherfestigkeit

Materialkennwert der angibt, wie stark verklebte Prüfkörper durch Druck auf Scherung beansprucht werden müssen um den Bruch der Klebverbindung herbeizuführen (Kraft bezogen auf Klebfläche).

DVGW

Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches. Prüft z.B. Klebstoffe auf ihre Einsatztauglichkeit an Gasgeräten und Armaturen.

Endfestigkeit

Von einem Klebstolf unter Normbedingungen maximal erreichbare Festigkeit. Die in Klebstoff-Datenblättern angegebenen Verbundfestigkeiten (z.B. Zugscherfestigkeit) sowie auch die Werkstoffkennwerte des Klebstoffes (z.B. E-Modul, Reißfestigkeit und Reißdehnung), werden am endfesten, d.h. vollständig ausgehärteten Klebstoff bestimmt.

endotherm

Charakterisierung chemischer oder physikalischer Prozesse, die unter Wärmeverbrauch ablaufen (Gegenteil von exotherm).

exotherm

Charakterisierung chemischer oder physikalischer Prozesse die unter Freisetzung von Wärme verlaufen; z.B. Härtungsreaktion der meisten lösungsmittelfreien Klebstoffe = Reaktionsklebstoffe. Das Produkt besitzt ein geringeres Energiepotential als das Edukt.

Festigkeit

Werkstoffkenngröße, welche die zum Bruch führende Belastung angibt. Es werden Zug-, Druck-, Torosions-, Scher-, Schäl- und andere Festigkeiten unterschieden. Für die Beurteilung einer Klebung sind weiterhin Kurzzeit-, Langzeit-, Wechsel- und Biegefestigkeiten etc. wichtig.

Flammpunkt

Niedrigste Temperatur, bei der Dämpfe über einem Flüssigkeitsspiegel ein entflammbares Gemisch mit Luft ergeben. Der Brennpunkt ist die niedrigste Temperatur, bei der eine Flüssigkeit nach der Entzündung brennt. Er liegt im Allgemeinen  um 10-40 C höher als der Flammpunkt.

Einteilung der Gefahrenklassen für Klebstoffe:

A1 = Flammpunkt <21°C

A2 = Flammpunkt  21°C -55 °C

A3 = Flammpunkt  >55 °C - 100°C

Fließverhalten

Fließeigenschaften eines unausgehärteten Klebstoffes. Dünnflüssige Klebstoffe breiten sich schneller aus als dickflüssige. Sie zeigen ein besseres Fließverhalten.

Fügeteilbruch

Versagen einer Klebeverbindung außerhalb der Klebschicht, also im Fügeteilwerkstoff. In diesem Fall ist die Klebfestigkeit höher als die Eigenfestigkeit des Fügeteilwerkstoffes.

Füllstoff

Pulverförmiger Zusatzstoff, der fein verteilt ist. Er dient dazu, Klebstoffeigenschaften dem Verwendungszweck anzupassen und/oder den Verbrauch an Grundstoffen herabzusetzen. Er verbessert z.B. Eigenschaften wie Härte, Festigkeit, Steifheit, elektrische Leit- und Wärmeleitfähigkeit, Chemische-, Wasser- und Alterungsbeständigkeit, Abriebfestigkeit oder senkt den Preis.

Funktionsfestigkeit

Hat die Klebverbindung eine Festigkeit von ca. 10 MPa erreicht, so wird diese normalerweise als funktionsfest bezeichnet. Angegeben wird die Zeit, die ein kalthärtender Klebstoff zum Erreichen der Funktionsfestigkeit bei Raumtemperatur benötigt.

Gelzeit

Zeitspanne, in der ein gebrauchsfertiger Ansatz in bestimmter Größe von einem fließfähigen in einen ablauffesten Zustand übergeht.

Härtezeit

Erforderliche Zeitspanne, um härtbare Harze aus dem fließfähigen, formbaren Zustand in den ausgehärteten, vernetzten, nicht mehr plastischen Zustand zu überführen. Sie setzt sich aus der Topfzeit und der Gelzeit zusammen.

Hautbildung

Einige Kleb- und Dichtstoffe bilden eine Haut unter Einfluß von Sauerstoff, Luftfeuchtigkeit oder Licht bzw. der Ablüftung von Lösungsmitteln an der dem jeweiligen Medium zugewandten Oberfläche. Im Gegensatz hierzu ist z.B bei 2-K- Reaktionsmassen eine Gelierung des gesamten Volumens zu verzeichnen.

hydrophil

wasserfreundlich

hydrophob

wasserabweisend

isotrop

Abgeleitet aus den griechischen Worten:  Iso=gleich und tropos= Richtung

In allen Richtungen gleiche Eigenschaften eines Stoffes (z.B. elektrische Eigenschaften von Leitklebstoffen). Isotrop leitfähige Klebstoffe leiten den elektrischen Strom in alle Richtungen . Siehe auch Anisotrop.

KTW-Empfehlung

KTW: Kunststoffe im Trinkwasserbereich. Empfehlung des Bundesgesundheitsamtes, nach der Kunststoffe, die im Trinkwasserbereich als Dichtstotfe eingesetzt werden, am Engler-Bunte-Institut geprüft und über den DVGW zugelassen und gelistet werden.

lichthärtend

Klebstoffe sind lichthärtend, wenn der Aushärtungsmechanismus im wesentlichen unter Bestrahlung von sichtbarem Licht im Wellenlängenbereich zwischen 400 und 550 nm abläuft. Es gilt Belichtungszeit = Aushärtungszeit. Diese Klebstoffe sind sowohl für Glas als auch für Kunststoffverbindungen geeignet.

Siehe auch UV-Strahlungshärtend.

Medienbeständigkeit

Beschreibt die Veränderungen der Eigenschaften z B. auch von Klebstoffen und geklebten Verbunden unter dem Einfluß von Medien (z.B. Wasser. Öle, Gase etc).  Die Medienbeständigkeit von Klebstoffen und Verklebungen ist jeweils separat zu beurteilen.

nachvernetzen

Nach der eigentlichen Aushärtung stattfindende, meist durch Wärmeeinfluß begünstigte Vernetzung von restlichen, noch nicht vollständig abgebundenen Molekülketten im Klebstoff. Die Nachvernetzung führt bei den meisten Klebstoffen zu höheren Klebfestigkeitswerten, jedoch auch zu einer geringeren Elastizität.

Nassklebung

Klebung mit einseitigem oder beidseitigem Klebstoffauftrag, bei der die Fügeteile sofort nach dem Klebstoffauftrag gefügt werden. Die Festigkeit nimmt mit fortschreitender Lösemittelverdunstung  bzw. chemischer Reaktion zu.

Oberflächenspannung

Bei Flüssigkeiten wirkende Kraft mit dem Bestreben, in der Grenzfläche flüssig / gasförmig, flüssig / fest oder nicht mischbar flüssig / flüssig die Oberfläche zu verkleinern. (siehe Benetzung) Sie verursacht Kugelform kleiner Tropfen, "Oberflächenhaut" von Flüssigkeiten, Überdruck im Inneren von Blasen oder Erscheinung der Kapillarität.

Oberflächenspannung von verschiedenen Werkstoffen in mN/m:

Teflon (PTFE) 18, Polyethylen (PE) 31, Polystyrol (PS) 33, Polyvinylchlorid (PVC) 39, Polyester (PET) 43, Polyamid (PA) 44, Cellulose 200, Eisen (FE) 2030, Wolfram 6800.

Offene-Zeit-Klebung

Klebung mit beidseitigem Klebstoffauftrag, bei der die Fügeteile gefügt werden, wenn die Lösemittel so weit verdunstet sind (offene Zeit), dass die Klebschicht eine bestimmte Klebrigkeit aufweist (Knöcheltest). Gute Anfangsfestigkeit, die mit dem Verdunsten der restlichen Lösemittelanteile zunimmt..

pastös

Nicht fließfähig bis standfest. (siehe Viskosität)

PSA-Klebstoffe

PSA-Klebstoffe, Pressure Sensitive Adhesives sind Haftklebstoffe, die bei Raumtemperatur dauerklebrig sind und unter Druckanwendung haften (Verwendung z.B. zur Herstellung von Haftklebebändern) Varianten dieser Klebstoffe sind sowohl im Hotmeltbereich,als auch im Dispersionsklebstoffbereich, vorwiegend Acrylatdispersionen, zu finden.

Quellung

Änderung von Volumen und Gestalt eines Festkörpers durch Aufnahme von Flüssigkeit und Gasen.

Reifungszeit

Bei Klebstoffen die Zeitspanne vom Ansetzen oder Anrühren des Klebstoffes bis zum Erreichen des verarbeitungsfähigen Zustandes.

Sedimentation

Absinken/Absetzen fester Teilchen in einer Suspension.

Shore Härte

Die Shore-Härte, benannt nach Albert Shore, ist ein Werkstoffkennwert für Elastomere und Kunststoffe und ist in den Normen DIN 53505 und DIN 7868 festgelegt. Das Kernstück des Shore-Härte-Prüfers besteht aus einem federbelasteten Stift aus gehärtetem Stahl. Dessen Eindringtiefe in das zu prüfende Material ist ein Maß für die entsprechende Shore-Härte, die auf einer Skala von 0 Shore (2,5 Millimeter Eindringtiefe) bis 100 Shore (0 Millimeter Eindringtiefe) gemessen wird. Eine hohe Zahl bedeutet eine große Härte. Bei einem Shore-Härteprüfgerät ist eine Zusatzeinrichtung notwendig, die die zu messende Probe mit einer Kraft von 12,5 Newton bei Shore-A bzw 50 Newton bei Shore-D auf den Messtisch andrückt. Bei der Bestimmung der Shore-Härte spielt die Temperatur eine höhere Rolle als bei der Härtebestimmung metallischer Werkstoffe. Deshalb wird hier die Solltemperatur von 23 °C auf das Temperaturintervall von ± 2 K beschränkt. Die Materialdicke sollte im Bereich von 0 bis 50 Shore mindestens 9 Millimeter, bei härteren Substanzen mindestens 6 Millimeter betragen.

Shore-A wird angegeben bei Weich-Elastomeren nach Messung mit einer Nadel mit abgestumpfter Spitze. Die Stirnfläche des Kegelstumpfs hat einen Durchmesser von 0,79 Millimetern, der Öffnungswinkel beträgt 35°. Auflagegewicht: 1 kg, Haltezeit: 15 s

Shore-D wird angegeben bei Zäh-Elastomeren nach Messung mit einer Nadel, die mit einem 30° Winkel zuläuft und eine kugelförmige Spitze mit einem Radius von 0,1 Millimetern hat. Auflagegewicht: 5 kg, Haltezeit: 15 s

Topfzeit

Die Zeit, die der Ansatz vom Vermischen der Komponenten bzw. Zugabe des Katalysators an verarbeitbar bleibt.

USP Class VI

Amerikanische Standard für Biokompatibilität / Kontakt mit Körperflüssigkeit.

Europäisches Equivalent ISO 10993 (Class 6).

Wir haben Klebstoffe entsprechend  USPVI Class und ISO 10993 im Liefersortiment.

Viskosität

Die Viskosität beschreibt die Zähigkeit von Flüssigkeiten und Schmelzen, aber auch von Suspensionen. Sie ist ein Maß für den inneren Flüssigkeitswiderstand gegen das Fließen und wird definiert durch den Reibungswiderstand, den eine Flüssigkeit einer Deformation durch eine Druck- oder Schubspannung entgegensetzt. Je höher die Viskosität, um so dickflüssiger ist die Flüssigkeit.

Die dynamische oder absolute Viskosität wird gemessen in Pa•s und meist mit Hilfe eines Rotationsviskometers bestimmt. Früher wurde die Viskosität auch in Poise (oder Centipoise) angegeben.

Die kinematische Viskosität wird in m2/sek angegeben. Sie ist ein Ausdruck für die innere Reibung einer Flüssigkeit. Die kinematische Viskosität wird errechnet, indem man die dynamische Viskosität durch die Dichte einer Flüssigkeit teilt.

 

Es gelten:

1 Ns/m2 = 1 Pa•s = 10 Poise und 1 Centipoise = 1 cP = 10-3 kg/ms

Dynamische Viskositäten von Newtonschen Flüssigkeiten bei 20°C in mPa•s

Ether (Diethylether ) 0,23

Wasser 1,0087

Ethanol (Ethylalkohol) 1,19

Schmieröl 0,1-1,2

Glycerin (50%) 6,05

Olivenöl 107,5

Honig 104

warmhärtend

Aushärten bei (künstlich) erhöhter Temperatur.

Werkstattzeit

Zeitspanne, die ein gekühlt zu lagernder Klebstoff maximal unter Werkstattbedingungen (20-25°C) verarbeitbar bleibt, ohne seine Eigenschaften zu verlieren.

Weichmacherwanderung

Übergang von Weichmachern, z.B. aus Kunststoffen, in angrenzende Klebstoffschichten. Folge: Versprödung des Kunststoffes und Eigenschaftsänderung im Klebstoff.